Samstag, 17. Mai 2008

Sonntag, 11. Mai 2008

"Gott in China"?

Auf zeit.de ist ein Ausschnitt aus dem Film "Gott in China" von Raphaela Schmid zu sehen (http://www.zeit.de/video/player?videoID=200805106f5832 , Balken rechts bitte etwas nach unten ziehen). Bedrückend rührend.
Man braucht nicht Chinesisch verstehen zu können, um festzustellen, dass die chinesische Männerstimme sich immer wiederholt. Zum Schluss wiederholt sich eine Frauenstimme, in unterschiedlichen Szenen.
Jemand mit besonders scharfem Gehör hat etwas genauer hingehört. Trotz Übermalung durch die deutsch-stimmigen Kommentatoren konnte das bewundernswerte Gehör folgenden Inhalt entziffern:

Männerstimme:
Unsere Gemeinde konnte aus dem Grund so viel ... aufbauen, weil unsere Regierung ... Der damalige Reformplan (sah vor --- aus übersetzertechnischen Gründen von mir eingefügt), den kirchlichen Besitz zurückzugeben. Die Regierungspolitik ist (oder war?) uns gegenüber recht mild...
我们的教区之所以建了很多……,是因为我们的政府……当时的改革计划,归还教产,政府政策对我们这个教区很温和……

Frauenstimme:
Ich bin Kirchenmitglied von ..., Hebei. Unsere Gemeinde hat 28 (?) ältere Menschen, über zwanzig Mitglieder, sowohl neu hinzugekommene als alte Kirchenmitglieder...
我是河北……的教友,我们教区有28(不太确定)个老人,20多个教友,有新教友有老教友……

Was hat die Filmmacherin, deutsche Philosophin und Leiterin des amerikanischen Becket Instituts in Rom, daraus gemacht? Man soll mal selber hinhören.

Das Blatt Kirchengeschichte in China, katholische wie evangelische/evangelikale, ist nun wirklich nicht immer mit Ruhm befleckt. Ich denke nur an die glorreichen Kirchen vor und während des sogenannten Boxer-Aufstandes.

Weiter so, die ewige Wahrheit Gottes!

Ein kleines Video dazu:
http://hk.youtube.com/watch?v=rOj_dSfbTko

Samstag, 10. Mai 2008

Ein Mini-Märchen

Ein hungriger Löwe streckt die helfende Pfote einem Hasen aus, der unglücklicherweise in einen Wassergraben gefallen ist...

Freitag, 9. Mai 2008

Tagesschau auf Chinesisch!

Ja, Tagesschau gibt es jetzt auch auf Chinesisch! Allerdings nicht im Fernsehen, sondern auf der Homepage. Auf der Seite http://www.tagesschau.de/chinese/ heißt es: “Nachrichten auf Chinesisch bieten wir Ihnen in Kooperation mit dw-world.de an, da durch die Berichterstattung über die Situation in Tibet und den olympischen Fackellauf verstärkt chinesische Nutzer unsere Seite besuchen.“

Es hört sich gut an, nicht wahr? Man wird gar verstärkt von Chinesen besucht!

Aber weswegen? Hat die ARD bzw. die Tagesschau besonders hervorragend über Tibet und den olympischen Fackellauf berichtet? Wie würden denn die Chinesen, die mir nichts dir nichts plötzlich verstärkt die Tagesschau-Seite besuchen, dieses Angebot annehmen?

Kaum ist diese Seite erschienen, wurde sie auch schon auf einem chinesischen Internet-Forum, das in Deutschland beheimatet ist, „heiß“ diskutiert. „Achtet man uns wirklich so sehr?!“ So stellte ein/e Diskutant/in mit dieser unmissverständlich ironischen Frage die sensationelle Neuigkeit vor und forderte zur Diskussion auf.

Die Antworten fielen so vielfältig wie eindeutig aus. Die erste Antwort war schon recht erhellend: „Wer will denn schon wissen, was sie auf Chinesisch berichten! Ich schaue nur auf die deutsche Ausgabe, um zu erfahren, was für Unsinn sie schon wieder verbreiten...“ Oh, oh, da kamen schon Leute, die in der chinesischen Internet-Welt als „Wütende Jugend“, von so manchen neoliberal Gesinnten aber als die „Mist-Jugend“ bezeichnet werden (darüber schreibe ich ein anderes Mal), die wollen gar so mächtigen Presseriesen wie ARD oder Dem Spiegel auf die Finger schauen!

(Hm! Irgendwann habe ich mal gehört, die Presse sei der ungekrönte König der Gesellschaft. Von wem wird die Presse in einer demokratischen Gesellschaft denn kontrolliert? Ist die Presse etwa so ungekrönt wie unkontrolliert?)

Der/die andere vermutete sofort nichts gutes dahinter: „Jetzt fangen sie gar an, Chinesen Gehirnwäsche zu unterziehen...“ Nun kamen lauter Beispiele dafür, wie gründlich das deutsche Gehirn von der Presse gewaschen sei: In deutschen Augen würden Chinesen immer noch in grauer Kleidung herum laufen und an Hunger leiden; chinesische Bauern bräuchten nicht von Deutschen versorgt zu werden, auch wenn sie zu wenig bekämen für das, was sie ausgäben. Man bräuchte also die Schuld des weltweit gestiegenen Lebensmittelpreises nicht in den etwas mehr an Fleisch gewöhnten chinesischen Magen zu schieben...

Stimmen der Resignation waren auch zu hören: „Du hast aber starke Nerven! Für ARD und ZDF habe ich jetzt überhaupt keine Lust mehr.“ Was jetzt kam, da müssten bei den sehr geehrten Damen und Herren Ausländerbeauftragten die Alarmglocken eigentlich ganz laut läutern: „Bei mir auch! Die deutsche Presse hat nur einen Monat gebraucht, um mich, einen integrierten Chinesen, ruckzuck in einen Türken von Neukölln zu verwandeln. Was mich einzig und allein von einem Neuköllner Türken unterscheidet, ist der fehlende Satellitenschüssel auf meinem Hausdach. Auf einmal verstehe ich sie (Neuköllner Türken) wirklich sehr gut. In diese Welt können diese Menschen (jetzt natürlich auch ich) sich wirklich nicht integrieren.“

(Hm! Ich habe mich sowieso schon mehrmals gefragt, wo die sehr geehrten Damen und Herren Ausländerbeauftragten während der ganzen Medien-Hetze geblieben sind.)

Dennoch, Hoffnungsschimmer gibt es immer. Immerhin gab eine/r an, die Deutsche Welle zu mögen.

Und, indem ich diese Zeilen niederschrieb, hörte ich mit einem Ohr, wie ZDF (nein, nicht wirklich lief bei mir das ZDF, sondern Phönix, das sich aber nicht viel besser benommen hat) das heutige Besteigen des Chomolungma durch die Chinesen mit dem Olympischen Feuer als eine große Leistung bezeichnete. Sogar die Kritik des Herrn Brase – nein, zum Glück nicht des Herrn Hano, der sich wirklich nicht unwichtig nimmt – also noch einmal: Sogar die Kritik des Herrn Brase, ebenfalls ZDF-Korrespondent in Beijing, an der chinesischen Pressepolitik kam mir berechtigt vor. Meine Hochachtung!

Ach übrigens, Chomolungma, das klingt komisch, nicht wahr? Ich wundere mich schon lange, warum der Westen, dem der Erhalt der tibetischen Kultur so sehr am Herzen zu liegen scheint, diesen Berg, einen der heiligsten der Tibeter, nicht Chomolungma nennt, sondern immer noch mit dem englischen Bergsteiger-Abenteurer Everest benennt. So wichtig ist die tibetische Kultur dem Westen dann doch nicht so hochheilig?

Ps., damit dieses chinesische Internet-Forum kein Problem bekommt, gebe ich diesmal ausnahmsweise keine Internet-Adresse an.

Der letzte Fackelläufer auf der Insel Hainan, China






Insgesamt habe ich 14 Waisenkinder aufgenommen. Drei von ihnen hatten angeborene Herzfehler und sind leider gestorben. Mit dem einen ging es denkbar schlecht. Es ‚ging’ ausgerechnet am Abend des ersten Tages eines chinesischen Neujahrs. Nun ja, ich weiß, die angeborenen Herzfehler waren nicht heilbar. Dennoch, das Herz schnürt mir jedes Mal zu, wenn ich zurück an sie denke.“ So erzählte Yao Yide, der letzte Fackelläufer am 5.5.2008 auf der südchinesischen Insel Hainan, seinem Interview-Partner, Reporter der offiziellen Olympia-Websites Chinas.

Yao übersiedelte im Jahr 1983 mit seiner Frau Sun Qingrong von der nordchinesischen Provinz Henan auf die südchinesische Insel Hainan über. Seit über 20 Jahren leben sie in einer angemieteten Bude und leben von Müllsammeln und Kurzarbeit. Seit 1988 nahm das Ehepaar nach und nach 14 weggeworfene Neugeborene zu sich und zieht sie wie eigene Kinder auf.

Bei ihnen liegen im Hof aufgesammelte Gegenstände gestapelt. Auch die Möbelstücke wie Bette und Tische kamen vom Sperrmüll.

„Jeder ist Fleisch und Blut von Eltern und muss Eltern haben. Es lohnt sich doch, etwas weniger zu essen und etwas fleißiger zu sein, um ein Menschenleben zu retten“, meinte Yao. Was und wie viel sie für die Kinder ausgegeben haben, weiß Yao nicht. Er weiß nur, seit der Aufnahme der ältesten Tochter Mingli haben er und seine Frau sich kein neues Kleidungsstück mehr geleistet. „Ein Kleidungsstück für mich kostet so viel wie zwei Anzüge für die Kinder. Meine Frau und ich, wir kaufen uns kein neues Kleidungsstück, dadurch können wir mindestens für vier Kinder Kleidungen kaufen. Wir sind nicht mehr jung und brauchen nicht viel. Es genügt, wenn wir nicht halb nackt herumlaufen müssen.“

Mit der Zeit fühlt das Ehepaar die Kraft nachzulassen. Anfang dieses Jahres wurde bei Yao Yide Hirnvenenthrombose festgestellt. Doch er hat sich nie Gedanken darüber gemacht, wann er mit der Pflege der Waisenkinder aufhören würde. Mit der Unterstützung seiner Frau hat er in fast 20 Jahren klaglos alles Liebe und Fürsorge den Kindern gegeben. Was er getan hat und immer noch tut, rührt nicht nur Menschen in seiner Umgebung. Durch Medienberichte ist seine Geschichte bekannt geworden. Im Dezember 2006 wurde er zu einer der 10 medialen Persönlichkeiten von der „Tageszeitung Hainan“ gewählt, im September 2007 mit dem Preis „Moralische Vorbilder“ der Provinz Hainan ausgezeichnet.

„Seit den Medienberichten habe ich es viel leichter. Die Provinzregierung aber auch viele andere normale Menschen kümmern sich sehr um unser Leben. Ich werde von der Gesellschaft respektiert und bekomme auch Spendengelder. Mein Leben ist viel besser geworden.“ Die momentane Situation gibt ihm noch mehr Hoffnung. „Ich habe nie damit gerechnet, zum letzten Fackelläufer in der Stadt Qionghai gewählt zu werden. Davon habe ich nie zu träumen gewagt. Ich bin sehr glücklich darüber, aber auch sehr aufgeregt.“

Nachdem er erfahren hatte, dass er als Fackelläufer auftreten soll, kam er als erstes auf Laufübung, damit er den Fackel zügig zu Ende tragen könnte. „Gleich am nächsten Tag nach der Bekanntgabe fing ich mit der Laufübung an. Jeden Tag stand ich fünf Uhr auf und lief eine halbe Stunde, manchmal eine Stunde. Beim Laufen hielt ich immer etwas in der Hand, mal einen Stock, mal eine Bierflasche. Ich wollte das Gefühl bekommen, mit dem Fackel in der Hand zu laufen.“ „Nein, niemand lachte mich aus, als ich mit einer Bierflasche in der Hand lief. Vielmehr ermutigten mich die Passenten durch Applaus.“

Sein größter Wunsch? „Ich, mein jetziger Arbeitgeber und meine elf Kinder, ja die ganze Familie, wir würden gerne zu den Olympischen Spielen nach Beijing fahren und uns das Stadion Vogelnest ansehen. Das wäre mein größter Wunsch.“

Kurz vor dem Ende des Interviews bekam er Anruf. Am anderen Ende der Leitung fragte die dreijährige Tochter im Kindergarten: „Papa, wo bist du? In Sanya habe ich dich nicht gesehen.“

„Ich bin in Qionghai. Am Nachmittag wirst du mich dann sehen!“ Etwas Aufregung lag schon in seiner Stimme.

Übersetzung von: Fackelläufer, der vom Müllsammeln lebt und in 20 Jahren 14 Waisenkinder aufnahm http://www.hq.xinhuanet.com/focus/olympics/2008-05/06/content_13170376.htm , leicht abgeküzt


Etwas mehr Licht hinter den medialen Eisenen Vorhang

Während der Pressekampne im Westen seit dem 14. März ist es unmissverständlich klar geworden, dass es sowohl auf der chinesischen als auf der westlichen Seite große Missverständnisse ja gar Böswilligkeiten gibt. Was mir persönlich besonders ins Auge stich, ist nicht nur das steinzeitliche China-Bild, sondern auch die Betonköpfigkeit auf der westlichen Seite - Stichworte Gehirnwäsche, Propaganda, Diktatur...

Für Betonköpfe habe ich keinen Sprengstoff und es ist auch nicht meine Absicht, Betonköpfe zu sprengen. Als kultureller Grenzgänger kann ich nur versuchen, das steinzeitliche China-Bild etwas aufzupollieren, ein etwas anderes Licht hinter den medialen Eisenen Vorhang zu bringen. Was ich hier auszubereiten habe, ist also nicht Friede Freude Eierkuchen, sondern das, was in den westlichen Medien nur selten vorkommt oder gar nie erwähnt wird, auch wo der Schuh für Chinesen wirklich drückt.

Vorsorglich weise ich daraufhin, für den Informationsfluss in die andere Richtung, also vom Deutschen ins Chinesische, sorgt sich eine Gruppe chinesische Studenten, die tagtäglich deutsche Berichte über China ins Chinesische übersetzen.